Veränderungsdialog Naturschutz und Landwirtschaft: Check-In vor Ort auf einem Weingut
Wie gelingt es, den Einsatz chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel (PSM) im Wein- und Obstbau zu reduzieren und wie lässt sich PSM-reduziert erzeugtes Obst und Wein erfolgreich vermarkten? Diesen Fragen ging der Veränderungsdialog zwischen Landwirtschaft und Naturschutz bei einem Check-In auf dem Schwarzwald.Wein.Gut der Familie Männle in Durbach nach.
Bei einem Betriebsrundgang und dem Besuch eines Demoversuchs mit pilzwiderstandsfähigen Piwi-Rebsorten diskutierten Vertreter:innen von Landwirtschaft, Naturschutz und Verwaltung praxisnahe Ansätze zur PSM-Reduktion – von Recyclingtechnik über biologische Alternativen bis hin zum Anbau von Piwi-Sorten. Dabei wurde deutlich, dass es im Weinbau bereits viele Möglichkeiten gibt, PSM einzusparen. Die Vermarktung bleibt jedoch eine große Herausforderung, denn der Weinbau steckt aktuell in einer wirtschaftlichen Krise, geprägt von sinkender Nachfrage, steigenden Produktionskosten und hohem Preisdruck.
Auch im Bericht von Obstbauer Kiefer wurde deutlich, dass im Obstbau ein hoher Preisdruck besteht und die Produktionskosten steigen. Zudem ist die Vermarktung von PSM-reduziert erzeugtem Obst eine große Herausforderung, unter anderem da die optischen Anforderungen des Lebensmitteleinzelhandels sehr hoch sind. Auch schorfwiderstandsfähige Sorten, die bereits verfügbar sind und weniger Fungizide benötigen, werden vom Lebensmitteleinzelhandel oft nicht abgenommen.
Im Austausch zur Vermarktung zeigte sich, dass PSM-reduziert erzeugte Produkte am Markt vor allem über Nachhaltigkeit, Regionalität und Erlebnis bei Verbraucher:innen überzeugen und weniger über den expliziten Verzicht auf Pflanzenschutzmittel selbst. Einig waren sich die Teilnehmenden zudem, dass faire Erzeugerpreise, gezielte Förderprogramme und der Abbau bürokratischer Hürden entscheidend dafür sind, ob eine PSM-Reduktion für Winzerinnen und Winzer sowie Obstbäuerinnen und Obstbauern erfolgreich umgesetzt werden kann.
